VUSR warnt Reisebüros vor Abhängigkeit von Konzernen
Der VUSR warnt freie Reisebüros vor einer zunehmenden Abhängigkeit von Touristikkonzernen. Der Direktvertrieb über konzerneigene Kanäle nehme zu, sagt Verbandschefin Marija Linnhoff. Die Agenturen sollten nicht allein auf die Provision schauen, sondern auch darauf, wie Veranstalter mit auf Kunden zugehen.
Rewe
Der VUSR mahnt Reisebüros, sich nicht zu stark in die Abhängigkeit von Konzernen zu begeben
Im Mittelpunkt stehe die künftige Rolle unabhängiger Reisebüros, so Linnhoff. Große Touristikkonzerne investierten verstärkt in digitale Vertriebssysteme, Bonusprogramme, Direktmarketing und eigene Buchungskanäle.
Der VUSR verweist auf eine Aussage von Rewe-Chef Lionel Souque aus dem Jahr 2024. Er hatte erklärt, der Konzern gehe häufiger direkt an Kunden heran, weil sich dies mehr lohne. Die Dertour Group stellte danach klar, dass sich die Aussage auf die internationale Gruppe bezogen habe und Reisebüros in Deutschland der wichtigste Vertriebskanal blieben.
Direktvertrieb gewinnt für Konzerne an Bedeutung
Für Linnhoff beschreibt die Äußerung dennoch einen Trend. Der direkte Kundenzugang werde für Konzerne wichtiger. Damit stelle sich die Frage, wer langfristig über Kundendaten, Kommunikation und Kundenbeziehung verfüge.
Reisebüros sollten ihre Veranstalterstruktur breit aufstellen, wirtschaftliche Abhängigkeiten reduzieren und neue Vertriebsmodelle aufmerksam verfolgen, so die VUSR-Chefin. Der Blick dürfe sich nicht allein auf Provisionen richten. "Die entscheidende Frage lautet: Wem gehört mein Kunde in fünf Jahren?", sagt sie.
Anders als Marktführer TUI ist die Dertour Group in ihrer Gesamtheit nicht Mitglied im VUSR. Das könnte zum kritischeren Blick des Verbandes auf das Unternehmen beitragen.
Christian Schmicke